• Martina Ly

Warum ich kein Mitleid mit dir habe

Klingt ziemlich hart, aber ich verspreche dir, am Ende dieses Blogs wirst du nicken und mich verstehen.

Mitleid kommt von „Leiden“. Du kennst das sicher: Eine Freundin/ein Freund erlebt gerade etwas ziemlich heftiges in seinem Leben. Trennung, Kündigung, Verlust eines Familienmitgliedes, Krankheit. etc. Anhand eines fiktiven Beispiels würde ich gerne ausführen worauf ich hinaus will. Ähnlichkeiten sind rein zufällig und nicht gewollt. Eine solche Situation gibt es in unendlich vielen Varianten und kommen auch häufig vor.

Arianne und Jennifer sind seit über zehn Jahren eng befreundet und haben sich schon in einigen herausfordernden Lebenssituationen gegenseitig gestärkt und unterstützt. Immer war es ein Geben und Nehmen. Konflikte zwischen den Beiden an sich gab es nie. Plötzlich aus heiterem Himmel hat Arianne nach sieben Jahren scheinbar glücklicher Ehe die Scheidung eingereicht. Sehr zur Überraschung von Jennifer. Es stellte sich heraus, dass der Ehemann seit drei Jahren eine Freundin hat, welche nun schwanger ist. Soviel zu den Fakten.

Unabhängig von den Fakten stellt sich hier wahrscheinlich schon bei den Meisten eine moralische Grundhaltung ein: Arme Frau-böser Mann. Wie bei Jennifer auch. Täglich wird telefoniert, wo sich Jennifer alles anhört, mitweint, mitschimpft im wahrsten Sinne des Wortes mitlebt. So wie es sich für eine gute Freundin halt gehört. (Achtung: leicht sarkastischer Ton zwischen den Zeilen). Jennifer hat soviel Mitleid, dass sie gar keine Zeit mehr mit ihrem Mann verbringen mag ("wenn es meiner Freundin schlecht geht, geht es auch mir schlecht"). Immer steht Ariannes Lebensdrama im Vordergrund. Der Anwalt sagt das, der Gegenanwalt macht jenes, die Neue sagt das, der Ex macht jenes, die Kinder hier, die Schwiegereltern da. Die Gespräche kriegen eine ganz eigene Dynamik, es dreht sich immer alles um das vermeintliche Drama. Arianne lebt ihre Rolle als verlassene Frau und Mutter. Jennifer unterstützt sie in dieser Rolle so gut es geht. Bestätigt sie, dass es ganz alleine die Schuld vom Mann ist, dass es ihr jetzt so schlecht geht. Dass die Neue noch schuldiger ist. Dass der Gegenanwalt ein Unmensch ist. Arianne wird zum Opfer ihrer Lebensumstände und Jennifer bestätigt dieses Bild.

Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht in der Freundschaft: stark- schwach. Dadurch hat Arianne nicht die Möglichkeit zu wachsen. Durch dieses Ungleichgewicht bricht auch die Freundschaft auseinander und zurück bleibt eine enttäuschte Jennifer und eine geschwächte Arianne.

Es ist ein Naturgesetz, dass wir in unseren schwächsten Momenten unsere Stärken erkennen können. Anders formuliert: Krise als Chance oder noch banaler: zuerst muss etwas passieren, bevor wir etwas lernen. Wenn alles gut ist, besteht ja keine Notwendigkeit sich weiter zu entwickeln.

In Krisen ist es hilfreich und wunderbar, Freunde an seiner Seite zu haben. Es ist schön, sich verstanden zu fühlen. Und gleichzeitig braucht man in diesen Momenten auch Menschen rund um sich, die einem helfen sein eigenes Leben wieder auf Schiene zu kriegen.

Aber: wir sind niemals Opfer unseres Lebens. Auch nicht von Dingen, die uns zustossen. Wir haben, vor allen in unseren Breitengraden, soviele Möglichkeiten, dass wir selbstbestimmt und eigenverantwortlich unser Leben gestalten können. Es liegt einzig an dir, was du aus deinen persönlichen Herausforderungen machst.

Ich begleite Menschen bei solchen Prozessen. Ich leide nicht mit, doch ich habe Einfühlungsvermögen und deine persönliche Herausforderung nehme ich ernst. Es geht um erkennen neuer Perspektiven, Stärken und brachliegender Ressourcen in dir. Reconnective Healing ® eröffnet einen Bewusstseinsraum, in welchem Klarheit, Gelassenheit und tiefes Selbstvertrauen entstehen. Und aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen: es ist zwar nicht immer ganz leicht, aber es zahlt sich immer aus! Dein Leben ist ein Geschenk!

Foto:pixabay



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Eric Pearl