• Martina Ly

Warum ein Pferd kein Einhorn ist oder das ewige Leid der Erwartungen

In meiner täglichen Arbeit mit Menschen kommt sehr häufig das Thema „Erwartungen“ auf. Kompliziert dabei ist, dass den Betroffenen oft nicht mal klar ist, dass sie eine hohe (um nicht zu sagen unmögliche) Erwartungshaltung haben.

Meist äussert es sich in Unmut, Frust, dem Gefühl nicht verstanden zu werden. Um dem unbändigen Wunsch, dass das Gegenüber so funktioniert wie wir es gerne hätten, zu realisieren, geht oft sehr viel Kraft verloren. Und nicht nur Kraft geht verloren, sondern auch die ursprüngliche Beziehung/Verbindung zwischen zwei Menschen. In der Folge können unüberbrückbare Differenzen entstehen, Familien entzweien sich, wertvolle Freundschaften lösen sich auf, Nachbarn werden zu Gegnern, Partner werden zu Feinden.

Immer gibt es natürlich rein objektiv eine Erklärung und für die Betroffenen eine rationale Begründung.

In den Gesprächen mit meinen Klienten greife ich gerne auf Metaphern und Bilder zurück. Bei dem Thema Erwartungshaltung komme ich oft auf das Bild: „Du stehst vor einem Pferd und hättest gerne, dass es ein Einhorn ist! Du verbringst ganz viel Zeit damit, dem Pferd zu erklären, wie es als Einhorn wäre. Wie es ist fliegen zu können und wie es wäre einen Regenbogenschweif zu haben!“ Klingt ja objektiv gesehen sehr schön, für das Pferd aber nicht. Es versteht in diesem Fall nur Bahnhof und ist frustriert. Ein für alle Mal: Ein Pferd ist ein Pferd und kein Einhorn! Das bedeutet, zu akzeptieren wenn Menschen nicht zuhören können, wenn sie anders reagieren als wir gerne hätten, andere Sichtweisen haben, Dinge anders erledigen als wir etc.

Akzeptanz führt zu Erkennen und ein realistisches Wahrnehmen „was/wie“ mein Gegenüber wirklich ist. Ein Pferd hat soviele Aspekte. Es kann ein Zirkuspferd sein, ein Rennpferd, ein Wildpferd, ein kleines süsses Pony und und und. Da steckt soviel drinnen.

Erlauben wir uns doch, abgesehen von unseren Erwartungen, genau hinzusehen und die Geschenke und Stärken unseres Gegenübers wahrzunehmen.

Es kann auch sein, dass du keine Pferde magst. Aber dann macht es auch keinen Sinn ein Einhorn daraus zu machen. Du kannst gerne einfach weiterziehen bis du ein „Tier“ findest, welches du liebst. Soll heissen, wir müssen nicht in allen Menschen Stärken suchen, wenn uns ein persönlicher Kontakt nicht wichtig ist. Aber sparen wir uns auch hier die Kraft, die Erwartungshaltung (Wunsch) zu haben, dass alle Menschen Einhörner sind. Durchbrechen wir den Kreislauf des ewigen Leids von Erwartungen und erweitern unser Bewusstsein und unsere Haltungen. Hin zu Frieden, Toleranz und bedinungsloser Liebe.

Foto: pixabay



11 Ansichten

Du bist mehr als die Summe deiner Erfahrungen.

 

 

 

Eric Pearl