• Martina Ly

Spiritualität und Stille

Berührt, bestätigt und gleichzeitig inspiriert hat mich diese Tage dieses Zitat:


„Die Stille stellt keine Fragen. Aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben.“


Ich möchte auf diese Weisheit näher eingehen. Oft spielen sich in unserem Verstand ganz, ganz viele komplexe Gedanken ab. Es ist schwer zu unterscheiden, war da zuerst ein Gedanke und daraufhin entstand ein Gefühl oder zuerst ein Gefühl und entstand daraus erst der Gedanke. Henne oder Ei? Was war zuerst?


Warum frage ich das? Der Mensch neigt dazu, entweder auf seine Gedanken oder auf seine Gefühle zu hören und daraufhin seine Entscheidungen zu treffen. Wir glauben unseren Gedanken oder unseren Gefühlen, ohne differenzieren zu können, woher sie kommen, wie sind sie entstanden sind.


Psychologisch gesehen sind wir von klein auf geprägt von Erziehung, sozialem Umfeld, Schule, Religion, persönlichen Erlebnissen, körperlichen Einschränkungen, etc. Jede Entscheidung, die wir treffen ist bewusst und unbewusst geprägt von gewollten und ungewollten, hilfreichen und beängstigenden, liebevollen und unschönen Erfahrungen. Das führt dazu, dass einige Menschen im Laufe ihres Lebens unglücklich werden, das Gefühl haben nicht sie selbst zu sein, einfach nur zu funktionieren und zu gefallen. Einfach dadurch, dass viele Entscheidungen nicht aus ihrem ureigensten Potential getroffen werden.


Dadurch entstehen viele Fragen. Die Menschen kommen zu mir in die Praxis mit ähnlichen Fragen: Soll ich meinen Job wechseln? Soll ich mich trennen? Wann sollte ich ein Kind kriegen? Warum mag mich niemand? Warum werde ich immer ausgenutzt? Warum gerate ich immer an den Falschen? Und der Verstand arbeitet auf Hochtouren und hat immer „sehr glaubhafte“ Antworten: „Die Anderen sind schuld! Du hast es nicht anders verdient! Du bist nicht liebenswert! Man darf sich nichts von niemanden gefallen lassen! Man darf auf keinen Fall verletztlich sein. Das tut dann sicher weh! Sicher ist sicher!“

Puh, da könnte ich ja fast einen Roman mit dem Titel „Die glorreichen Ausreden meines Verstandes“ schreiben.


Und wir investieren viel Zeit und Energie in diese Fragen. Wir besprechen das mit Freunden, Familie, auf sozialen Netzwerken, googeln, lesen in Foren, etc. Und bekommen natürlich zig verschiedene Antworten, manchmal auch Beleidigungen, und wahrscheinlich entstehen dadurch noch mehr Fragen!


Und hier kommt das Zitat ins Spiel. Ich predige ja schon fast übers Meditieren und in die Stille gehen. Meine Kunden halten sich glaube ich ganz oft mit Augen verdrehen zurück (jaaaa, das spüre ich auch), weil mindestens in jeder Sitzung die Frage auftaucht, wie es mit dem Meditieren läuft. Dass meditieren nicht gleich meditieren ist, ist ein eigenes Thema. Darauf möchte ich nicht jetzt aber nicht näher eingehen.







An dieser Stelle möchte ich lieber eine persönliche Erfahrung mit euch teilen, weil sie sehr deutlich zeigt, was passieren kann, wenn die Stille antwortet.

Vorab sei gesagt (auch wenn ich das nur ungern zugebe), dass ich ein sehr stolzer (manche nennen mich auch stur), gerne auf Prinzipien beharrender Mensch, bin. Mein Ego nennt mich willensstark, konsequent und stark. Nun ja, auch mein Verstand/Ego ist sehr kreativ. Und das betrifft auch meinen Umgang mit Menschen. Wenn jemand meine Grenzen überschreitet, stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Und aus. Da gibt’s dann für mich auch kein zurück mehr. Auch nicht nach Jahren. Und nun, sitze ich da und meditiere, zuerst eine einfache Chakrenmeditation, dann etwas Mantren singen, und dann einfach eintauchen in die Stille, die Unendlichkeit, die Weite. Und dann aus dem Nichts (im wahrsten Sinne!!) sinngemäß: „Es wäre das Richtige, mit einer bestimmten Person wieder in Kontakt zu treten!“


Uiiii, ich bin richtig aus allen Wolken gefallen, bzw. mein Verstand ist sofort dazwischen und hat ganz laut geschrien: „Sicher nicht! Niemals!!!!“ Und dann noch ein paar Sachen, die ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte. Könnte ein falsches Licht auf meinen Verstand und meine Persönlichkeit werfen.


Das war heftig. Ich habe gar nicht damit gerechnet, weil diese Person für mich zu diesem Zeitpunkt auch ganz weit weg war. Mein Ego bekam noch ein paar Tage Zeit sich zu wehren und Rechtfertigungen zu suchen. Letztlich aber spürte ich tief in mir, dass diese Antwort aus der Stille ein unglaubliches Geschenk war. Es war mir möglich über das Ego hinaus, in einen tiefen Frieden und auch Mitgefühl einzutauchen.


Das ist nur eine Erfahrung mit der Stille. Ich erlebe solche Momente in der Stille nicht oft, aber ich vertraue, dass wenn es wichtig ist, sich die Stille meldet. Und ich gebe ihr durch die Stille die Möglichkeit, mit mir zu kommunizieren. Man spürt sehr deutlich ob das Ego einem eine Antwort unterjubeln will, oder ob es eine Antwort aus der Unendlichkeit ist.

Zu jeder Zeit, und nicht nur jetzt, ist es für das eigene Sein hilfreich, immer wieder in den absoluten Rückzug zu gehen. Zu trainieren, sich von allem was wir glauben zu Sein, Abstand zu nehmen um in eine weitere, liebevollere, Dimension einzutauchen.


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