• Martina Ly

Die Tücken der Erleuchtung oder warum ich auch nur ein Mensch bin

Nein, man muss nicht erleuchtet sein, um über Erleuchtung zu schreiben. Und ja, ich wage mich als Unerleuchtete an dieses Thema heran.

Aufgrund meines Berufes und persönlicher Interessen sind Spiritualität und Bewusst-Sein sehr wichtig in meinem Leben. Ich lese viele Bücher, besuche Seminare und Veranstaltungen in diesem Bereich und unterhalte mich auch gerne darüber (wie vielleicht schon die Eine oder der Andere bemerkt hat).

Durch den Umzug meiner kleinen, überschaubaren und versteckten Reconnective Healing ® Praxis in grössere, sichtbarere Geschäftsräumlichkeiten sind einige Dinge in Gang gesetzt worden. Leider muss ich sagen nicht unbedingt angenehm. Ich kann das Gefühl dazu schwer beschreiben. Unrund, gestresst, so als ob ich gegen etwas ankämpfen müsste und ich konnte es nicht zuordnen. Ich begann also noch mehr als sonst zu meditieren, noch mehr zu lesen. Alles mit der Grundhaltung (sehr banal ausgedrückt): Ich muss an meiner „Erleuchtung“ arbeiten, damit ich mich besser fühle. Doch irgendwie bewirkte dieses mehr Tun genau das Gegenteil. Ich wurde noch unrunder, noch gestresster. Also ganz weit weg von inneren Frieden, Erleuchtung und alles „Wunderbar“.

Ein unerwartetes Gespräch mit einer Freundin holte mich relativ schnell zur Essenz meiner Problematik. Sie sagte: „Die Illusion von Erleuchtung geht auf Kosten deiner Erleuchtung! Es gab schon viele hochspirituelle, geniale Menschen die sich in der Erleuchtung verlaufen haben und nicht wieder aufgetaucht sind.“

Wie bitte? Anders ausgedrückt, in dieser Welt, in dieser dritten Dimension, wo wir alle ja auch sind, alleine aufgrund unseres Körpers, braucht auch unser Alltagssein Aufmerksamkeit und Hingabe. Scheinbar banale (also unspirituelle und unerleuchtete) Dinge sind genauso essentiell. Ich bemerke, dass obwohl ich die Unendlichkeit Unseres Seins spüre und eine Wahrheit ist, auch die Endlichkeit eine Wahrheit ist. Ein Teil von mir hängt quasi immer in dieser Unendlichkeit und einer in der Endlichkeit. Durch die eingeschränkte Aufmerksamkeit auf die mir „unwichtigen“ Ebenen hat es mir bildlich die Füsse ausgerissen. Durch das Gespräch bin ich richtiggehend wieder aus den Wolken heruntergesegelt. Die Landung war sanft und paradoxerweise sehr befreiend.

Mir ist dann wieder ein Beitrag von mir untergekommen wo ich über das Bild eines Baumes geschrieben habe. Ein Baum kann nur dann einem Sturm standhalten, wenn die Wurzeln tief genug sind. Ein stabiler, kräftiger Baum wächst sowohl in die Erde als auch in die Höhe.

Wachstum, also Erleuchtung ist ein Prozess. Ein unendlicher Prozess. Ich denke, dass es auch hilfreich ist (und ja ich rede an dieser Stelle mit mir selbst) sich von Begrifflichkeiten und Illusionen zu lösen, nicht nur bewusst sondern auch unbewusst. Und auch da gibt es kein „erledigt“, sondern nur den Weg, jeder Schritt ist wichtig und nicht das Ziel. Ich neige immer in Wertungen zu verfallen, was mir auch hier wieder auf einer neuen Ebene bewusst gemacht wurde. Ich dachte Wertungen habe ich hinter mir. Das trifft definitiv zu wenn es um andere Menschen, Weltgeschehen, etc geht, nur halt bei mir selbst noch nicht in der Tiefe.

Jetzt bekommen auch die Texte aus „Solomon spricht“ wieder eine tiefere Bedeutung.

„Lasst uns den Fokus auf den Prozess halten. Wenn der Fokus auf dem „Wann“ liegt, spannt ihr den Karren vor das Pferd; dann denkt ihr an das Ergebnis und nicht an den Prozess. Der Prozess führt zum Ergebnis, nicht umgekehrt. Der Sinn des Prozesses liegt im Prozess, nicht im Ergebnis. Das Ergebnis ist das Geschenk des Prozesses. Im Prozess. Da werden wir stark.“ (S.50, Solomon spricht über ein Leben in Verbundenheit)


Ich wünsche euch dieselbe Leichtigkeit und Freude in der Gleichzeitigkeit von Endlichkeit und Unendlichkeit!

Foto:pixabay



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Eric Pearl